Beckenboden und Intimgesundheit

Woran erkenne ich einen geschwächten Beckenboden?

Medizinisch geprüft von Dr. med. Jana Frost · 5 Min.

Ein geschwächter Beckenboden kann sich durch ungewollten Urinverlust, ein Druck- oder Fremdkörpergefühl in der Scheide oder Schwierigkeiten beim Halten von Blase und Darm bemerkbar machen. Beschwerden im Beckenboden haben jedoch nicht immer dieselbe Ursache. Auch eine zu hohe Muskelspannung kann Probleme auslösen.

Welche Aufgabe hat der Beckenboden?

Der Beckenboden besteht aus mehreren Schichten von Muskeln und Bindegewebe. Er stützt unter anderem Blase, Gebärmutter und Darm. Beim Husten, Niesen, Lachen, Springen oder Heben muss er auf den steigenden Druck im Bauchraum reagieren. Gleichzeitig soll er sich beim Wasserlassen, beim Stuhlgang und beim Geschlechtsverkehr entspannen können.

Ein gesunder Beckenboden muss deshalb nicht nur kräftig sein. Er muss sich gezielt anspannen und wieder lösen können.

Mögliche Anzeichen

Hinweise auf eine Beckenbodenstörung können sein:

  • Urinverlust beim Husten, Niesen, Lachen oder Sport
  • plötzlicher starker Harndrang
  • häufiges Wasserlassen
  • Schwierigkeiten, Urin oder Stuhl zu halten
  • ein Druck- oder Schweregefühl nach unten
  • das Gefühl einer Vorwölbung in der Scheide
  • Probleme bei der Entleerung von Blase oder Darm
  • Schmerzen im Becken, im Intimbereich oder beim Geschlechtsverkehr

Nicht alle Beschwerden sprechen für eine reine Muskelschwäche. Schmerzen, Entleerungsstörungen oder Beschwerden beim Geschlechtsverkehr können auch mit einem verspannten oder schlecht koordinierten Beckenboden zusammenhängen. Ein pauschales Kräftigungsprogramm ist dann möglicherweise nicht passend.

Was kann den Beckenboden belasten?

Schwangerschaft und Geburt können den Beckenboden beanspruchen. Weitere mögliche Belastungen sind chronischer Husten, häufiges schweres Heben, starkes Pressen bei Verstopfung, Übergewicht und Operationen im Beckenbereich. Mit zunehmendem Alter und hormonellen Veränderungen kann sich die Beschaffenheit des Gewebes ebenfalls verändern.

Das bedeutet nicht, dass Beschwerden nach einer Geburt oder im höheren Lebensalter einfach hingenommen werden müssen.

Wie wird die Ursache abgeklärt?

Am Anfang steht ein Gespräch über Art, Dauer und Auslöser der Beschwerden. Hilfreich ist die Unterscheidung, ob Urin bei körperlicher Belastung verloren geht oder ob ein plötzlich einsetzender Harndrang im Vordergrund steht.

Je nach Situation können eine gynäkologische Untersuchung, die Beurteilung einer möglichen Senkung und weitere Untersuchungen sinnvoll sein. Dabei wird auch geprüft, ob der Beckenboden angespannt und entspannt werden kann.

Wann sollte ich einen Termin vereinbaren?

Lassen Sie Beschwerden untersuchen, wenn sie wiederholt auftreten, zunehmen oder Ihren Alltag einschränken. Zeitnaher ärztlicher Rat ist besonders wichtig bei:

  • Blut im Urin
  • Schmerzen oder Brennen beim Wasserlassen
  • plötzlich auftretenden Entleerungsstörungen
  • wiederkehrenden Blasenentzündungen
  • einer sichtbaren oder deutlich spürbaren Vorwölbung
  • neu auftretendem Verlust von Urin oder Stuhl
  • Taubheitsgefühl oder Lähmungserscheinungen

Plötzliche Probleme beim Wasserlassen oder Stuhlgang zusammen mit Taubheit im Genital- oder Gesäßbereich müssen sofort medizinisch abgeklärt werden.

Was kann helfen?

Gezieltes Beckenbodentraining kann bei verschiedenen Beschwerden sinnvoll sein. Entscheidend sind die richtige Muskelgruppe, eine passende Dosierung sowie das Zusammenspiel von Anspannung, Entspannung und Atmung. Physiotherapeutische Anleitung kann helfen, den Beckenboden zunächst richtig wahrzunehmen.

Je nach Ursache kommen weitere Maßnahmen infrage. Dazu gehören beispielsweise Blasentraining, eine Pessarversorgung oder andere medizinische Behandlungen. Die Auswahl richtet sich nach Diagnose, Ausprägung und persönlichen Zielen.

Quellen

  • Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen: „Wie funktioniert ein Beckenbodentraining?“, Gesundheitsinformation.de, aktualisiert 2025.
  • Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen: „Scheidensenkung und Gebärmuttersenkung“, Gesundheitsinformation.de, aktualisiert 2025.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine persönliche ärztliche Beratung, Untersuchung oder Diagnose. Bei akuten oder starken Beschwerden wenden Sie sich bitte zeitnah an eine Arztpraxis. In medizinischen Notfällen wählen Sie 112. Außerhalb der Sprechzeiten erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117.

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